Afghan Medical Staff Association


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Reisebericht nach Herat von Dr. med. Baryalei - Besuch der medizinische Fakultät Herat :

Am Montag, den 30. März wollte ich mit Safi Airline von Kabul nach Herat fliegen. Die Abflugszeit war planmäßig um 10.00 Uhr. So sind wir um 6.30 in zum Kabuler Flughafen gefahren, wo man eine Vielzahl von Kontrollhürden zu überwinden hat. Schließlich kam ich um 9hrf.JPG.00 Uhr in der Abfertigungshalle an. Nach Beendigung des Check-Ins wartete ich im Besitz meiner Boardingcard mit den anderen Passagieren darauf ins Flugzeug einzusteigen. Kurz vor 9.30 Uhr kam ein Mitarbeiter der Fluggesellschaft in die Halle der wartenden Passagiere und kündigte an, dass für heute alle Flüge nach Herat gecancelt worden seien. Inoffiziell kam uns zu Ohren, dass der Flughafen von Herat an diesem Morgen mit drei Raketen beschossen worden sei. Infolgedessen seien sämtliche Flüge nach Herat durch ISAF(International Security Assistance Force) storniert. In der Halle der wartenden Passagiere brach Chaos aus und jeder war bemüht, so schnell wie möglich Gepäck und Flugticket zurück zu erlangen. Uns Passagieren empfahl man am Nachmittag desselben Tages die Zentrale der Fluggesellschaft anzurufen und sich nach den nächstmöglichen Flugterminen zu erkundigen. Während des gesamten Zeitraumes wurde weder ein Wort des Bedauerns noch eine Erklärung über die Gründe der stornierten Flüge geäußert. Die Passagiere haben die Gegebenheiten schicksalhaft und widerspruchslos hingenommen und verließen den Flughafen.


Gegen 10.30 landete ich in Herat. Beim Verlassen des Flugzeuges auf festen Boden verteilten zwei italienische ISAF Soldaten Zeitungen in landesüblichen Sprachen. Des Weiteren wurden wir nicht durch das Terminalgebäude, welches sehr klein ist, geführt, sondern durch ein großes Eisentor ins freie Gelände, wo Dr. Khalil Aazar mit seinem Bruder auf mich wartete und mich sehr freundlich und herzlich empfing.

Auf der Fahrt vom Flughafen nach Stadt-Herat fiel mir eine vierspurige, gut asphaltierte Straße mit Blumenbeeten im Mittelstreifen auf. Nach ein paar Kilometern in Richtung Stadt war die Straße auf beiden Seiten von Bäumen gesäumt. Außerdem machte Herat im Gegensatz zu Kabul einen sauberen Eindruck, gepflegt, begrünt, ohne Staub, geringere Luftverschmutzung.

Nach 30 Minuten Fahrt sind wir am Sitz der medizinischen Fakultät angekommen, einem schönen, alten Gebäude, vermutlich aus den 1920er Jahren, im Besitztum des Ministeriums für Verteidigung. Da die medizinische Fakultät über kein eigenes Anwesen verfügt, ist das Gebäude des Verteidigungsministeriums der medizinischen Fakultät als provisorischer Sitz zur Verfügung gestellt worden.

Nach Betreten des Gebäudes fanden wir uns in einer großen, fast schlossähnlichen Halle wieder, aus der wir in einen großen Saal geführten wurden. Hier stellte man mich dem Dekan der medizinischen Fakultät Herrn Dr. Gh. Naqeshband Aram vor. Nach und nach kamen die Kollegen aus den verschiedenen Disziplinen dazu, um den Herzchirurgen aus Göttingen zu begrüßen und kennenzulernen. Alle waren zuvorkommend und bescheiden. Man sah auf dem ersten Blick, wie sehr sie durch die schwierigen Arbeitsbedingungen unter verschiedenen politischen Verhältnissen gezeichnet sind und viele Entbehrungen, materieller wie ideeller Art ertragen müssen.

Nach einer Stunde begaben wir uns auf den Weg zum Haus von Dr. Khalil Aazar um Mittag zu essen, wo sich uns später Dr. Aram und Dr. H. Farid, Chef der gynäkologischen Abteilung, anschlossen. Nachdem ich hervorragend gespeist hatte, fuhr ich in Begleitung von Dr. Khalils Bruder in die Stadt. Die Stadt ist im Vergleich zu Kabul sehr sauber mit gut asphaltierten und breiten Straßen, mit vielen Grünflächen und Bäumen. Wo man in Herat auch hinkommt, begegnet man historischen Denkmälern, wie der prächtigen Moschee, den vier Minareten, der alten Burg, oder den verschiedenen Wallfahrtsstätten.

Die Menschen in Herat wirken ruhig und kultiviert. In einigen Bereichen erscheint die Städteentwickelung deutlicher als in Kabul, zum Beisbiel existiert bereits eine Kanalisation und die Energieversorgung ist stabiler. Während in Kabul Stromausfälle an der Tagesordnung stehen, verfügt Herat 24 Stunden am Tag über Strom


Am nächsten Tag war der Besuch bei dem Rektor der Universität von Herat angesagt. Anschließend hielt ich eine Vortrag über Herzchirurgie vor Hochschullehrern und Studenten, welcher mit großem Interesse aufgenommen wurde und eine lebhafte Diskussion auslöste. Ich erfuhr, dass alle Fakultäten der Universität Herat neue Gebäude erhalten haben, die gerade bezugsfertig geworden sind. Die einzige Fakultät, die noch nicht berücksichtigt wurde, ist die medizinische. Aus diesem Grund müssen sich die Kollegen der medizinischen Fakultät einen Saal bei den übrigen Fakultäten zum Unterricht leihen. Darüber hinaus verfügt sie über kein eigenes Lehrkrankenhaus, sodass die Dozenten zum Bedside-Teaching mit den Studenten in das Krankenhaus des Gesundheitsministeriums gehen müssen, wo sie allerdings nicht therapeutisch tätig sind und folglich auch nicht weisungsberechtigt. Außerdem mangelt es hier an Anschauungsmaterialien. Es fehlen einfache Geräte wie Echo- oder EKG-Geräten. Röntgengeräte sind entweder sehr alt oder von schlechter Qualität.


Die medizinische Fakultät hat von dem ehemaligen Gouverneur Ismail Khan ein ausreichend großes Baugrundstück bekommen. Das Geld für den Bau fehlt. Bei meinen Begegnungen wurde mir deutlich, wie viele Barrieren und Schwierigkeiten die lehrenden Kollegen bei der Ausbildung ihrer Studenten zu bewältigen haben.

Alle Afghanen, die in Europa und Amerika leben und arbeiten, verfügen über gute Möglichkeiten zu helfen. Wir müssen Wege suchen und finden, wie wir unseren Kollegen in Afghanistan unterstützen können. Wir leben in einer Gesellschaft, die ein hohes Maß an Bewusstsein für die Not ihrer Mitmenschen besitzt. Unsere Aufgabe ist, Informationen weiter zu leiten, um Spenden zu sammeln. Diese Aufgaben könnten wir mindestens durchführen oder?




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