Afghan Medical Staff Association


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Tamana

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"Sonne der Station" Göttinger Hilfe für afghanisches Mädchen
In ihrem eigenen Land hätte ihr niemand helfen können




01.11.2003 Göttinger Tageblatt (Von Matthias Heinzel)

In Kabul, Heimatstadt der fünfjährigen Tamana Ofugue liegt das Gesundheitssystem in Trümmern. Im Göttinger Uni-Klinikum wurden die schweren Missbildungen der kleinen Afghanin jetzt erfolgreich operiert
Ganz versteht Tamana noch nicht, was mit ihr im Göttinger Klinikum geschehen ist. Sie weiß nur, dass ihr hier geholfen wird und dass sich Ärzte und Pflegepersonal rührend um sie kümmern. „Alle sind hier sehr nett zu mir“, sagt das kleine Mädchen, das vor drei Wochen operiert wurde und jetzt im Bettenhaus betreut wird.



Dr.med. M.M. Baryalei, Tamana mit Mutter Hassina Ofuque und Frau Dr. med. B. Lange



Nach einem solch glücklichen Ausgang hatte es lange Jahre nicht ausgesehen. Mit einer Fehlmündung des Enddarms und Missbildungen im Genitalbereich war Tamana im November 1997 in Kabul zur Welt gekommen. An die in solchen Fällen in Deutschland übliche Routine-Operation war in Afghanistan angesichts am Boden liegenden Gesundheitswesens und auch der politischen Situation nicht zu denken – auch nicht in der afghanischen Hauptstadt. Aufopferungsvoll kümmerte sich Mutter Hassina, unter den Taliban aus dem Schuldienst entfernte Lehrerin aus Kabul, um das kleine Mädchen. Die Familie begann, sich mit dem schweren Schicksal Tamanas abzufinden


Die Wende kam im März 2003, als der im nordrhein-westfälischen Altenkirchen praktizierende Arzt Dr. Akbar Ayas nach Kabul kam, um eine durch Spendenmittel finanzierte Schule zu eröffnen. Dort wurden dem in Afghanistan geborenen Chirurgen mehrere kleine Patienten vorgestellt unter anderem auch Tamana
Ayas entschloss sich spontan dazu, dem Mädchen durch Übernahme der Reisekosten und Organisation eines Visums eine Operation in Deutschland zu ermöglichen

Für die medizinische Hilfe nahm er Kontakt auf zu seinem in Göttingen lebenden afghanischen Schulfreund Dr. Mersa Baryalei, am Uni-Klinikum Oberarzt in der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie. Als Vorsitzender des afghanischen Ärzteverbandes „Afghanic Medical Staff Association“ * konnte Baryalei die Sektion Kinderchirurgie des Klinikums unter Professor Heinz Becker für die humanitäre Hilfe zu Gunsten von Tamana gewinnen.

Mit Unterstützung des Klinikums-Vorstand erreichten Becker und Baryalei, dass die Kosten für Operation und stationären Aufenthalt des Mädchens in Begleitung ihrer Mutter durch die Einrichtung eines so genannten wissenschaftlichen Freibettes übernommen wurden. Bei einem Tagessatz von 400 Euro für ein Krankenbett hätte sich die Familie allein den vierwöchigen Aufenthalt im Klinikum nie und nimmer leisten können

Bei der Operation vor drei Wochen wurde Tamana ein neuer Darmausgang gelegt, der erst nach und nach so funktionieren kann wie bei einem nicht fehlgebildeten Menschen. Bei einer fast Sechsjährigen sind Operation und Betreuung wesentlich aufwendiger als die in solchen Fällen in Deutschland üblich Operation im Säuglingsalter. „Der Körper hatte sich an die Fehlbildungen angepasst“, erläutert die betreuende Ärztin Bettina Lange. So war beispielsweise die Muskulatur im von Missbildungen betroffenen Bereich zum Teil jahrelang nicht aktiv und hat sich zurückgebildet. Jetzt müssen die Muskeln wieder trainiert und aufgebaut werden – ein langwieriger Prozess

Das kann das Klinikum allerdings nicht leisten. Um den Anpassungsprozess Tamanas an ihre neuen körperlichen Verhältnisse optimal zu begleiten, wird Mutter Hassina derzeit im Klinikum geschult. Bisher klappt das ausgezeichnet, weiß Lange: „Frau Ofuque kann das jetzt super kompensieren.“ Kostenlose Hilfe kommt dabei auch von der Münchener Medizintechnik-Firma Convatec. „Für die ersten 120 Tage stellen wir die Beutel für den künstlichen Darmausgang“, sagt der Göttinger Convatec-Repräsentant Reinhard Wille.

Trotz aller Unannehmlichkeiten und Beschwerden ist Tamana der Sonnenschein der Station, Ärzte und Pfleger haben die kleine Afghanin in ihr Herz geschlossen: Wer das Krankenzimmer betritt, wird mit einem Strahlen begrüßt, ihre ersten deutschen Worte hat sie schnell gelernt. Dennoch freut sich Tamana auf die Entlassung aus dem Klinikum. Auch wenn Ärzte und Pflegepersonal sehr nett zu ihr seien, „möchte ich doch gerne raus“.
In etwa einer Woche, rechnen die Ärzte, kann Tamana das Krankenhaus verlassen. Dann wird sie sich noch fünf Wochen in Nordrhein-Westfahlen aufhalten, bevor es zurück nach Kabul geht. In einigen Monaten ist dann eine kleine Nachoperation notwendig. Wenn sich das Gesundheitswesen in Afghanistan einwenig stabilisiert, ist dieser Eingriff unter Umständen dann vor Ort möglich.

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